Mittwoch, 2. August 2023

Wir müssen wieder Mut haben, anzuzweifeln!


Es ist kein Geheimnis, dass das Vertrauen der Menschen in die Medien über die Jahre hinweg stark abgebaut hat. Dabei hat die Branche, derer auch ich angehöre, die Arbeit der vier großen Säulen unserer Demokratie inne. Eine Verantwortung, der wir uns als Journalisten täglich bewusst sein sollten. Eine Verantwortung, die wir allesamt gemeinsam tragen müssten. Stattdessen scheinen die Gemüter gespalten.  Der Mut, anzuzweifeln und zu hinterfragen, hat inzwischen Seltenheitsstatus erlangt. Dass das den Lesern um uns herum missfällt und an unserer Arbeit zweifeln lässt, bedarf keiner weiteren Erläuterung.

Doch was muss ein Bundeskanzler wie Olaf Scholz (SPD) beim Besuch in Chemnitz gedacht haben, als kaum einer der Journalisten ihn auch nur im Entferntesten mit Fragen zu den echten Problemen hier im Osten konfrontiert hat. Die Vermutung liegt nahe, dass ihm diese Scham der Medien ganz recht gewesen sein muss. Böse Zungen würden meinen, er sei noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. Denn bevor es ungemütlich werden konnte, ging es für ihn auch schon gen Heimat. Was aber sagt so eine Situation über den aktuellen Journalismus aus? Während sich die einen dem Mainstream hingeben, andere wiederum der Superlative des Clickbaiting hinterherhecheln, bleibt noch ein geringer Anteil derer, die mit einem kritischen und konstruktiven Auge beobachten. Und genau da müssen wir als Medienschaffende wieder hin. Das Homeoffice eines Journalisten sollte wieder auf der Straße sein, bei den Menschen. Da, wo sich das wirkliche Leben abspielt. Da, wo aktuell überall im Land Unzufriedenheit herrscht. Unzufriedenheit über eine Bundesregierung, die sich in einem ideologischen Netz verfangen hat. Jene, die sich gegenseitig die Schuld zuweist anstatt miteinander im Kampf gegen die mehr als umstrittene Alternative für Deutschland zu agieren. Das Erstarken ihres größten Feindes ist das Resultat dessen, was sie nicht machen, und das ist für das Volk zu regieren, geschweige denn auf dessen Kritik zu reagieren. Wenn aber Medien, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk, zu zaghaft kritisieren, oder schlimmer noch, dem Umerziehungskurs der Ampel-Regierung folgen, gibt es für die Politik keinen Grund zur Resignation. Die GEZ-Abgabe von 18,36 Euro im Monat eines jeden Arbeitnehmers für qualitativen möglichst objektiven Journalismus wird mit einer staatsnahen und belehrenden Agenda abgestraft. Doch statt nachzuhaken, warum immer weniger Deutsche diese vermeintliche "Demokratie-Abgabe" zahlen wollen oder sich anderen Informationsquellen zuwenden, werden jene Bürger, die sich kritisch äußern, schlimmstenfalls als Klimaleugner und braune Tümpel abgetan. Der Osten Deutschlands ist in derartigen verbalen Attacken ein zu gern gewählter Sündenbock. „Zahlreiche Ostdeutsche fühlen sich politisch machtlos" - titelte etwa die Freie Presse nach Veröffentlichung der Studie „Autoritäre Dynamiken und die Unzufriedenheit mit der Demokratie“ des in Leipzig ansässigen und zur Uni Leipzig gehörenden Else-Frenkel-Brunswik-Instituts. Hat nicht aber die Wahl eines AfD-Landrates im thüringischen Sonneberg mit einer Wahl-Beteiligung von 60 Prozent gezeigt, dass Demokratie in diesem Land doch noch einen Stellenwert hat. Für viele Medien scheinbar eine Nebensache. Denn statt diesem, wenn auch kleinen Erfolg der Demokratie und mag jeder von der AfD halten, was er wolle - mehr Aufmerksamkeit zu schenken, ist der mediale Aufschrei über den "bösen" Osten groß.

Ich bin Regionaljournalistin in Sachsen. Ich kenne die Ängste und Sorgen vieler Menschen hierzulande. Wir Journalisten haben auch nicht die Lösung, aber wir können die Stimme der Mehrheit sein. Selbst wenn das bedeutet, auch mal unbequeme Themen anzugehen. Wir sind es unseren Lesern und Zuschauern schuldig, den Menschen wieder eine Plattform für gesunde Debatten zu bieten.

Montag, 26. Juni 2023

Halb gewickelt, ist schlecht regiert

 „Etwas im Wickel haben“ - Bildlich gesprochen ein Band, das fest um eine Person oder einen Gegenstand herum gewickelt ist. Wenn also Bundeskanzler Olaf Scholz wie am Donnerstag vor Medienvertretern in Chemnitz sagt, man habe die Zukunft im Wickel, bekommt so ein flappsiger Spruch wie ebendieser dann doch eine größere Bedeutung. Zumindest hier im Osten, wo die Umfragewerte derzeit ins Blaue schauen. 

Getroffen hat Olaf Scholz diese Wortwahl beim Thema Wasserstoff, das vor allem in Ostdeutschland künftig eine entscheidende Rolle bei der Energieversorgung spielen wird - sei man hier doch, was erneuerbare Energien anbelangt, im Vorsprung gegenüber den westdeutschen Ländern, wie die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern Manuela Schwesig (SPD) beim Treffen der Ost-Ministerpräsidenten deutlich machte.

Nun könnte es für den einen oder anderen durchaus positiv klingen, wenn der Kanzler an der Zukunft festhält, sie seinen Worten nach, sicher im Wickel glaubt.  Doch hat der Bund die nächsten Jahre wirklich fest im Wickel? Oder verwickelt sich die Regierung nicht eher gerade doch in ihrem Ziel, Deutschland als klimaneutrale Volkswirtschaft in der Welt zu etablieren? 

Mittelständische Unternehmen, die ihre Industriestandorte ins Ausland verlagern wollen, eine überbordende Bürokratie und zu wenig Vertrauen in die arbeitende Bevölkerung. Das ist die Ausgangslage, mit der Olaf Scholz letzte Woche nach Chemnitz gekommen ist. In eine Stadt, Region und in ein Bundesland, das aus Machern hervorgegangen ist. Hier trifft Politik auf Alltag - Wirklichkeitsfremde Vorstellungen auf Pragmatismus. Natürlich hat beim Besuch des SPD-Politikers keiner der Anwesenden mit fetten Schecks und vielen Versprechungen, die eh nicht alle eingehalten werden können, gerechnet. Auch hat nicht nur der Bund Versäumnisse einzuräumen, ebenso die Länder können sich nicht ganz der Verantwortung der letzten Jahre entziehen. Doch eine Lehrstunde in Futur II, Appetit auf Wickelklöße und zu meiner Enttäuschung, Journalisten, die ihre Chance auf Fragen zur derzeitigen Situation im Osten nicht nutzen, sind bei derartigen Polit-Besuchen mit Seltenheitstatus fehl am Platz. 


Mittwoch, 3. Mai 2023

Alternativlosigkeit gibt es nicht!

Als Journalisten muss es uns stutzig machen, warum die Menschen den Medien nicht mehr dasselbe Vertrauen entgegenbringen, als noch vor einigen Jahren. Dabei gehört unsere Branche zu einer der vier großen Säulen der Demokratie. Als solche tragen wir also auch Verantwortung für unser Handeln. Ebenso wie in unserer Gesellschaft, tut sich aber im  Moment im Journalismus der Boden auf, ein riesiger Riss, der die Gemüter spaltet anstatt dass wir ein und dasselbe Ziel verfolgen, nämlich konstruktive Arbeit leisten. 

Längst sind wir nicht mehr nur die einzigen, die darüber entscheiden, welche Informationen an die Öffentlichkeit treten, das tut inzwischen etwa auch der Facebook-Account des Friseur-Salons nebenan. Es ist vollkommen richtig, wenn Meinung geäußert werden darf, das macht eine gesunde Demokratie ja gerade erst aus. Aber wenn derartige Informationen aus alternativen Medien, wie etwa den sozialen Netzwerken ungefiltert auf die Gesellschaft einprasseln, fällt es den Menschen immer schwerer, dem Journalismus wieder mehr Vertrauen zu schenken. Im Gegensatz dazu, müssen wir Medienleute wieder mehr dafür tun, das Vertrauen zurückzugewinnen.

Wir als Journalisten, sollten uns selbst auf die Finger klopfen, wenn die Menschen keine Nachrichten mehr lesen wollen. Quasi, in den „Ohne Medien geht‘s uns besser“-Modus schalten. Ich kann diesen Menschen derartige Aussprüche nicht verübeln. Denn schon vor der Corona-Problematik sind wir als Menschen reizüberflutet gewesen. Auch wir als Journalisten haben da keine weiße Weste an. 

Doch genauso wie wir Eingeständnisse von der Regierung erwarten, sollten auch wir uns der Verantwortung bewusst sein, wie wir nach außen hin wirken, ohne jedoch einem politischen Opportunismus zu folgen. Das ist beispielsweise auch der Grund, weshalb ich mich als Redakteurin bzw. Autorin in meiner Berichterstattung weigere, dem Genderwahnsinn einen Gefallen zu tun. 

Vielmehr greife ich das Problem auf, hole Lösungsvorschlage für ebendieses ein, die letztendlich zwar kein Allerheilmittel darstellen, aber zur Diskussion anregen. Warum  hat beispielsweise der Osten so viele AfD-Anhänger? Ein Problem, über das wir nicht hinwegsehen dürfen oder mit aller Gewalt entgegensteuern dürfen. Vielmehr haben wir die Verantwortung, die Menschen zu fragen, was sie dazu bewogen hat, sind sie überzeugte Wähler oder einzig frustgetrieben, weil sie sonst nicht verstanden werden in der Politik?

Es geht nicht darum, die Absichten der Partei zu unterstützen, sondern neutral zu hinterfragen. Das ist es, was konstruktiven und qualitativen Journalismus ausmacht. Die Frage, „darf ich das so schreiben?“, sollte sich dabei ausschließlich auf das Handwerk beziehen anstatt auf politische Korrektheit zu zielen.

Im Journalismus hat sich während der vielen Krisen und Kriege meiner Ansicht nach etwas Fatales entwickelt, zu zaghaft wird nachgehakt, auch wenn es sich inzwischen etwas gebessert hat, der Mut, anzuzweifeln und dem Thema auf den Grund zu gehen, ist noch nicht überall wieder zurückgekehrt. 

Sollte auch ich, in meiner Tätigkeit als Journalist, in jene Form dieser Ohnmacht des Hinwegsehens gefallen sein, entschuldige ich mich dafür. Schließlich gehört es zu unserem Alltag, Kritik einstecken zu müssen. Gleichzeitig müssen wir aber auch uns und unsere Tätigkeit ständig hinterfragen, um uns verbessern zu können. Alternativlosigkeit gibt es in einer Demokratie nicht. Und das sollte nicht nur die Regierung verstehen lernen, sondern auch der Journalist.

Montag, 24. Oktober 2022

Wovor haben wir bloß solche Angst?

Müde Gesichter - wohin das Auge reicht. Müde von Corona. Müde von Krieg. Müde vom Energie sparen. Dabei wollen wir doch einfach nur zurück zum Anfang. Als Kind ging das leicht. Da wurde bei den Kassetten auf die Taste zum Zurückspulen gedrückt und schon war man wieder in der heilen Welt zuhause. Das funktioniert in der realen Gegenwart aber nicht. 

Wie gern wir auch auf den Reset-Knopf drücken wollen, eine Normalität, wie wir sie vor Corona und Co gelebt haben, existiert bloß noch in unserer Erinnerung. 

Natürlich war auch zu dieser Zeit nicht alles perfekt, Kriege, Ungerechtigkeit und Leid gab es auch schon vor der Pandemie - und doch fühlt sich die momentane Zeit einfach anders, extremer an. Ist das bloß ein Gefühl oder die Übertreibung des Jahres? 

Übertreibe ich, wenn ich sage, ich habe Angst nach 18 Uhr in der Innenstadt zu sein?  

Übertreibe ich, wenn ich behaupte, mit dem Gendern lösen wir nicht die eigentliche Probleme dieser Gesellschaft - nämlich Ungerechtigkeit und Intoleranz? 

Übertreibe ich, wenn ich das Recht auf freie Meinungsäußerung fordere - ohne dabei das Messer der Verurteilung im Rücken zu spüren? 

 Schon allein jetzt, in diesem Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe, erscheint gedanklich ein großes Fragezeichen:

Darf sie, es, er, das? Handelt es sich überhaupt um ein ER, SIE, ES? Darf ich noch metaphorisch von „Messern im Rücken“ schreiben oder ist das in der momentan verdrehten Sprachwelt ein Verharmlosen von Gewalt?

Was dürfen wir noch sagen? Wann und wie viel dürfen wir uns noch äußern? Der gesunde Streit, auch Diskussion genannt, wirkt aktuell toxisch auf uns. Jeder lebt in seiner kleinen Blase, in der nur die eigene Wahrheit, das eigene Wohl und die eigenen Werte leben. Außerhalb dieser Blase würde all das nicht überleben. 

Wo bleibt unser Überlebensinstinkt? Sind wir als Gesellschaft wirklich so weichgespült? So mürbe von all den Krisen um uns herum?

Wovor haben wir bloß solche Angst?

Sollten wir aus unserer Blase ausbrechen, sie aufstechen wie eine Blutblase oder ist der Druck bereits so groß, dass sie vor Schmerzen doch irgendwann von allein aufplatzt und noch mehr verschmutzt wird als sie so schon ist? 

Lieber sollten wir den Druck vorher schon rauslassen, starke Reibungen vermeiden und es gar nicht erst zur Blasenbildung  kommen lassen.

Mittwoch, 9. März 2022

Die gescheiterte Feministin

"Ich habe nichts gegen eine Männerwelt, solange ich die Frau darin bin" 

~ Marilyn Monroe ~ 

Zu sich selbst finden, sich so akzeptieren wie man ist, sich lieben. Während mein 13-jähriges Ich in die nächste Ecke verkrochen wäre, trinke ich heute vom süßen Cocktail, der sich Leben nennt. Wer mir den Mund zu kleben will und mich zur Karikatur meines Selbst erhebt, den sag ich nur: Trink erstmal einen Schluck!“

Ich zwänge mich in keine Operrolle. Das Schaupiel liegt mir nicht. Doch warum gibt es immer noch so viele Frauen, deren Paraderolle darin besteht, das Opfer spielen zu müssen?

Es ist kein Herunterspielen der MeToo-Debatte, die hat ihre Berechtigung und meine volle Unterstützung. Was mich hingegen bewegt: Frauen müssen wieder mehr darin bestärkt werden, ihre Meinung und Gefühle offen äußern zu können. Welche Ziele verfolgen sie? Und nicht, welchen gesellschaftlichen Zwängen unterliegen sie. Denn in dem ganzen Kosmos des Feminismus darf eines nicht außer Acht gelassen werden: Der Druck, unter dem viele Frauen ausgeliefert sind, kommt nicht etwa aus der Männerwelt, sondern aus den eigenen Reihen.

Abtreibung, Sterilisation, Fehlgeburt, Freizügigkeit, Selbstliebe, Sex - für viele sind dies noch immer Tabu-Themen - eben diese zeigen bereits, wir wollen die Gesellschaft sein, die über alles offen redet, aber sind wir wirklich offen?

Einem großen Teil fehlt der Mut.  Warum? Weil die selbsternannten Feministen den Finger auf sie zeigen. Denn das Abenteuerliche am modernen Feminismus ist, dass wir als Frauen zwar machen dürfen, was wir wollen. Aber machen wir dann, was wir wollen, stößt es in der heilen Welt jener Feministen auf Abneigung.

Und dabei sind es doch gerade sie, die stolz ihre Plakate hochhalten, mit Hashtags ihren Feminismus auf Social Media Kanälen bekräftigen und uns Frauen eigentlich darin bestärken sollten, unser Leben als Frau so führen zu können, wie wir es wollen. Die Realität zeichnet oftmals ein anderes Bild . Es zeigt vermeintliche Feministen, die motzen, kritisieren und vor lauter Vorwürfen vergessen, dass sie selbst eine Frau sind, ein Mensch mit Gefühlen, Fantasien und dem Bedürfnis nach Freiheit.  




Freitag, 25. Februar 2022

Die gescheiterte Friedensbotschaft

Er war nach der „Kubakrise“ 1965 als friedenssichernde Maßnahme im „Kalten Krieg“ eingerichtet worden: Der „Heiße Draht“ zwischen Moskau und Washington hatte seinerzeit die Aufgabe zur Einhaltung des Weltfriedens. Die damaligen Fernschreiber, die für die Standverbindungen zwischen dem Pentagon und dem Kreml geschalten wurden, kamen übrigens aus dem ehemaligen VEB Gerätewerk im damaligen Karl-Marx-Stadt. So ist die Welt auch mit der indirekten Hilfe aus der ostdeutschen Stadt mit dem für die damalige Zeit schnellsten Kommunikationskanal haarscharf am Atomkrieg vorbeigeschrammt.


Heute, über 50 Jahre später blicken wir erneut nach Moskau, wo der russische Präsident Wladimir Putin sitzt und wir uns fragen, was plant er noch hinter den Kremlmauern? Derweil kommt das Vokabular längst vergessener Zeiten mit dem Ukraine-Krieg wieder hoch, lässt uns erschaudern. Da bekommt der Chemnitzer Friedenstag an diesem Wochenende eine ganz neue Bedeutung. „Stell dir vor, es ist Frieden und alle machen mit“ - steht auf einen der Friedensbanner am Rathaus. Im Moment spielt aber nur einer nicht mit, und das ist der Kreml-Chef Putin. Sein militärischer Einmarsch in die Ukraine ist eine brutale Völkerrechtsverletzung. 


Viele Jahre spielte er mit der Gutgläubigkeit des Westens. Alle diplomatischen Schritte, die seitens von Deutschland in Form von Geld in die Verteidigungspolitik geflossen sind, nützen schon lange nichts mehr, wenn sie es überhaupt schon jemals getan haben. Putin lacht über die Diplomatie.
Und in Hinblick auf den derzeitigen Krieg bekommt seine damalige Rede im Bundestag, wo er noch die Stärkung der Marktwirtschaft und Demokratie betonte, einen widerlichen Beigeschmack. Doch um den CDU-Chef Friedrich Merz zu zitieren: „Putin ist heute ein anderer als er es damals war“. Seine geopolitischen Ziele sind heute andere. Die vermeintliche Russland-Romantik zwischen Deutschland und Moskau wird zum Ghosting, das auf Dating-Plattformen für den Kommunikationsabbruch zwischen zwei Partnern ohne Ankündigung steht. Liebesbekundungen an die Ukraine sind wichtig, aber können gegenüber eines Wahnsinnigen wie Putin nicht viel erreichen.


Wenn jahrelang die rosarote Brille aufgesetzt wird, Deutschland in Behörden statt in ein funktionstüchtiges Militär investiert, dann ist es nicht verwunderlich, dass diplomatische Friedensbotschaften zum Scheitern verureilt sind. Keiner von ihnen war jemals zuvor so nah an einem Krieg, aber Machthaber, wie Putin oder Chinas Präsident Xi können nicht mit schwachen Sanktionen oder lächerlichen 5.000 Helmen abgeschreckt werden. Es mag verstörend klingen und auch wir als Land müssen künftig in den sauren Schuldenapfel beißen, aber derartigen Diktatoren müssen knallharte Sanktionen,  wie etwa der SWIFT-Ausschluss, die völlige Isolierung sowie eine starke Armee entgegengesetzt werden - unabhängig davon, ob sie zum Einsatz kommt.


Vor allem Deutschland war viel zu lange in einem Dornröschenschlaf, vertrödelte sogar beinahe den Entschluss, Russland aus dem internationalen Zahlungssytem auszuschließen. Erst mit dem Druck der Staatengemeinschaft, der selbst noch eher von Ungarn oder Polen kam, gab der deutsche Kanzler Olaf Scholz grünes Licht. In seiner Rede im Bundestag am Samstag fand er dann letztlich doch noch deutliche Worte.


100 Milliarden Euro für die Bundeswehr, mehr Geld für die Nato und Russlands wirtschaftliche Isolation vom Westen. Der neue „Klartext-Scholz“, wie BILD-Chefredakteur Johannes Boie ihn nennt, steht nun aber noch mehr unter Zugzwang. Denn auf Worte müssen Taten folgen. Klar verdient seine Rede größten Respekt. Aber bitte Herr Scholz, unser Land muss endlich aufwachen und wieder Stärke zeigen!

Donnerstag, 14. Oktober 2021

Die gescheiterte Demokratin

„Verfallen wir nicht in den Fehler, bei jedem Andersmeinenden entweder an seinem Verstand oder an seinem guten Willen zu zweifeln“
 ~ Zitat von Otto von Bismarck ~

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Lange habe ich mit mir gerungen, ob ich etwas zur derzeitigen Lage sagen soll. Denn um ehrlich zu sein, habe ich schon langsam keine Worte mehr für das, was da gerade in diesem Land passiert. Bald sind es fast zwei Jahre, die wir in diesem Corona-Schlamassel stecken. Fast zwei Jahre, in denen unsere Regierung nichts aus den anfänglichen Fehlern gelernt hat, geschweige denn, diese nur ansatzweise eingestanden hat. Im Gegenteil, sie präzisiert nur das Chaos.

Ich wache jeden Tag mit einem Deja-Vu auf. Die Pandemie ist von Beginn an geprägt von Empfehlungen und noch mehr Empfehlungen, nicht zu vergessen, die unzähligen Versprechungen. Das soll aber hier nicht das Thema sein. Denn es braucht jetzt keine Vorhalte, sondern Lösungen. Ich will auf etwas ganz anderes hinaus. Die aktuelle Lage schürt schließlich ein ganz anderes Problem, was meiner Meinung nach, noch viel gefährlicher ist. In einem Land, in dem ich mein ganzes Leben lang nichts anderes kenne als Demokratie, in Frieden und Sorglosigkeit aufgewachsen, fühle ich mich dennoch als Verlierer. Gescheitert an was? An mir selbst? Ich, die jedes rechtsradikale Gedankengut verabscheue. Ich, die Kriminelle, egal welcher Nationalität sie abstammen, verurteile? Weil ich die deutsche Sprache vor unnötigen Verrenkungen schützen will? Die Absurdität dieses Gedankenspiels ist nicht zu überlesen. Ich schätze die Demokratie, weil sie auch der Minderheit eine Stimme gibt. Doch wenn es nur noch schwarz oder weiß – ungeimpft und geimpft – rassistisch – ethnisch gibt, dann läuft hier definitiv etwas, wovon wir die Tragweite besser nicht kennen, sondern lieber verhindern sollten!

Normale Debatten gibt es schon lange nicht mehr. Kategorisch wird alles abgelehnt, was nicht gefällt. Jeder verschwanzt sich nur noch in seine eigene Blase oder sucht Unterschlupf in ebendiese mit Gleichgesinnten. Und da muss ich die Ansicht unseres neuen Bundeskanzlers Olaf Scholz widersprechen, wenn er meint, Deutschland sei nicht gespalten.

Wir befinden uns nicht am Anfang einer gespaltenen Gesellschaft, wir sind mittendrin! Fangen wir also lieber sofort an, uns wieder gegenseitig zuzuhören, Argumente des anderen nicht sofort abzuschmettern, sie lieber zu diskutieren, so wie wir es von einer gesunden Demokratie gewohnt waren.

Wer ist denn jetzt nun der Demokrat?

Die Ampelregierung erlebt gerade ihr blaues Wunder. Doch wenn wir einmal ehrlich sind, verwunderlich ist das schon lange nicht mehr. Umgangs...